Mittwoch, 5. April 2006

Wir schreiben den 5. April 2006 und wieder einmal versammeln sich die Mitglieder des Blechbläserensembles der MSO und KDS unter der Leitung von Ulli Meiß am Bad Hersfelder Bahnhof, um zu einer aufregenden Konzertreise nach China aufzubrechen. In Frankfurt angekommen, besteigen wir erwartungsvoll den Flieger und landen nach etwa elf Stunden am Flughafen der Millionenstadt Shanghai.

Donnerstag, 6. April 2006

Aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden verlassen wir mittags das Flugzeug und treffen nach etlichen Kontrollen am Airport erstmals mit einer Delegation unserer chinesischen Austauschpartner zusammen, die uns freudig Willkommen heißt. Weil unser eigentliches Reiseziel Hefei etwa 400 km von Shanghai entfernt liegt, brechen wir sogleich mit dem auf uns wartenden Reisebus dorthin auf.

Die sechsstündige Busfahrt ermöglicht uns Eindrücke von der Natur Chinas zu sammeln, und als wir schließlich abends in Hefei ankommen, sind wir alle erschöpft und müde. Doch bevor wir zu unserem eigentlichen Domizil für die nächsten Tage fahren, werden wir noch von unseren Gastgebern in ein Restaurant zum Essen eingeladen. Dort treffen wir auch zum ersten Mal Brian und Lucy - zwei Lehrer, die unsere Reise vor Ort organisiert haben. Ausgehungert von der langen Fahrt wollen wir schnell das typisch chinesische Essen genießen, werden jedoch von einem etwas merkwürdigen Essbesteck gebremst: Stäbchen! Natürlich, wie konnten wir das nur vergessen!

Dieser kleine Umstand bewirkt, dass sich das Abendessen zu einer längeren Sitzung ausdehnt, da einige von uns Probleme haben, die Stäbchen überhaupt in einer Hand zu halten, und anderen das Gewünschte auf halben Weg zum Teller zurück fällt. Unsere chinesischen Gastgeber beobachten uns dabei recht amüsiert. Nachdem alle satt sind, fahren wir weiter und erreichen schon nach kurzer Zeit die "Run'an Boarding School Hefei", wo wir mit dem Bus über den Campus zu unserer Unterbringung gebracht werden. In einem der Wohnhäuser wurde extra ein ganzer Flur für uns geräumt und daher beziehen wir zu zweit die Zimmer, in denen normalerweise sechs Schüler wohnen. Eine erste Verwunderung überkommt uns, als wir die Waschräume begutachten, denn Gruppenduschen und vor allem Stehklos sind wir nun einmal nicht gewohnt.

Nach dem Beziehen der Zimmer werden wir noch zu einem kleinen Rundgang über den Campus eingeladen. Selbst bei Dunkelheit bemerken wir die Größe der Unterrichtsgebäude und Wohnhäuser, welche ungefähr 2000 Schülerinnen und Schüler von der Grundschule bis zum High School-Alter beherbergen, und sind beeindruckt von den Sportfeldern und dem Stadion. Spät am Abend fallen wir in unsere Betten, und selbst deren unglaubliche Härte - es gibt keine Matratzen, sondern wir liegen auf einem Lattengerüst mit einer Decke darüber - kann uns jetzt nicht mehr vom Schlafen abhalten.

Freitag, 7. April 2006

Es ist Punkt sechs Uhr morgens und nicht wenige von uns sitzen senkrecht im Bett, denn soeben schallte die Weckglocke der Schule durch unseren Gang. Da es erst um halb acht Frühstück gibt, lassen wir uns verschlafen in die Kissen zurückfallen. Doch auch jetzt ist nicht wirklich an Schlaf zu denken, denn schon dringt der Klang der chinesischen Nationalhymne in unsere Zimmer, zu der, wie wir später erfahren, die jüngeren Schüler ihren täglichen Frühsport machen.

Pünktlich brechen wir gemeinsam zum Frühstück auf und werden von Brian zur Dining Hall geführt. In einem kleinen Raum wartet schon unser typisch chinesisches Frühstück auf uns - u.a. Reissuppe, welche von uns Bläsern zu dieser Uhrzeit mit unterschiedlicher Begeisterung verspeist wird. Nachdem wir alle mehr oder weniger satt sind, haben wir die Möglichkeit, den Unterricht der jüngsten Schüler unser Gastgeberschule zu besuchen, und bemerken erfreut das große Willkommensbanner, das über dem Hauptgebäude der Schule aufgehängt wurde. Später am Vormittag haben wir unsere erste Unterrichtstunde in Chinesisch und gelangen aufgrund der schwierigen Schreibweise und der für uns ungewöhnlichen Aussprache schnell an unsere Grenzen.

Nach einer kurzen Pause sammeln wir uns hinter dem Hauptgebäude, wo unsere Kampfsportlehrerin schon auf uns wartet: "Martial Arts" steht auf dem Stundenplan. Darauf waren wir alle schon sehr gespannt und beobachten erst einmal tief beeindruckt unsere neue Lehrerin, die uns einige ßbungen vorführt. Doch dann sind wir an der Reihe und lernen Schritt für Schritt eine ßbung kennen, die uns eigentlich nur zeigt, wie ungelenkig wir sind. Während einige immer noch mit der Abfolge der Figuren oder der richtigen Arm- und Beinhaltung kämpfen, entwickeln andere ungeahnte Talente.

Nach dem Mittagessen haben wir erstmals Zeit zum Ausspannen. Manche nutzen sie zum Schlafen, wiederum andere zum Basketball Spielen und zum Sonnen auf dem Campus. Von den chinesischen Schülerinnen und Schülern werden wir mit starkem Interesse beäugt, doch noch traut sich noch kaum einer uns anzusprechen.

Später treffen wir uns mit dem Schulorchester im Arts Center, wo uns von den Lehrern und Schülern einige typische chinesische Instrumente vorgeführt und erklärt werden. Im Gegenzug stellen einige von uns unsere Blechblasinstrumente vor und geben eine kleine Kostprobe. Da die Gruppe nun einmal versammelt ist, nutzt Ulli die Chance und setzt eine Probe an, worüber sich niemand beklagt, da morgen unser erstes Konzert im Park von Hefei stattfinden soll.

Samstag, 8. April 2006

Nach dem nun schon bekannten Frühstück brechen wir bald auf und fahren zu dem nahe gelegenen Park, in dem heute Nachmittag unser erstes Konzert stattfinden soll, um eine Generalprobe abzuhalten. Der Park bietet den Besuchern die Möglichkeit für sportliche Aktivitäten, ausgedehnte Spaziergänge, Bootsfahrten und zum Drachen steigen lassen.

Nach dem Mittagessen in der Schule ist es an der Zeit, uns für das nahende Konzert umzuziehen. Als wir erneut zum Park aufbrechen, können wir Massen von Schülern beobachten, die sich bereits auf den Weg dorthin gemacht haben. Schließlich ist zu Beginn des Konzertes die gesamte Schule vor der Bühne versammelt. Viele chinesische Schülerinnen und Schüler gestalten dieses Konzert mit uns und beeindrucken durch Tänze und Gesangseinlagen. Auch eine Kampfsportgruppe der Schule, die ausschließlich aus Grundschülern besteht, trägt einige ßbungen vor, und bald erkennen wir darin diejenigen Lektionen, die wir gestern gelernt haben oder wenigstens gelernt haben sollten und müssen neidlos anerkennen, dass uns die jungen Sportler in der Ausführung um Längen schlagen. Unser erstes Open Air-Konzert endet in einem großen Finale mit dem von uns Bläsern gespielten Schulsong, zu dem die Schüler begeistert mitsingen.

Anschließend lassen wir voll guter Laune unzählige Fotoshootings über uns ergehen, geben sogar Autogramme und erhalten Briefe sowie zum Teil kleine Geschenke. Wir entwickeln ein ausgeprägtes Fotolächeln, und es dauert einige Zeit, bis wir uns von den chinesischen Schülern trennen können und zur Schule zurückfahren. Am Abend werden wir ins nahe gelegene "Lotus Center", ein großes Kaufhaus, gebracht. Dort nutzen wir die Gelegenheit und decken uns mit Süßigkeiten, Keksen und Getränken ein. Wie am Abend zuvor wird für eine großzügige Dreiviertelstunde das Wasser in unseren Waschräumen angestellt und danach finden wir uns spontan in einem der Zimmer zusammen, bis Ulli auftaucht, um Weiblein und Männlein zu trennen.

Sonntag, 9. April 2006

Der Morgen des 9. Aprils ist für uns alle eine Entspannung. Trotz leichten Regens fahren wir mit dem Bus zum "Swan Lake", einem großen See, der vor noch nicht allzu langer Zeit künstlich angelegt wurde. Die Besonderheit dieses Sees ist seine Form, da diese von oben betrachtet das chinesische Zeichen für Hefei ergibt. Echte Schwäne, die wir aufgrund des Namens erwartet hatten, sind nicht zu sehen, sollen aber im Sommer folgen und das Bild des Sees vervollständigen.

Nach diesem entspannenden Spaziergang ist es aber nun wieder an der Zeit, uns sportlich zu betätigen. Zu diesem Zweck wurde ein Basketballspiel zwischen der Lehrermannschaft unserer Partnerschule und den männlichen Mitgliedern unserer Gruppe angesetzt. Während unsere Jungs ordentlich ins Schwitzen kommen, zeigen die sieben mitgereisten Mädels den etwas verdutzten chinesischen Schülern, wie man die eigene Mannschaft anfeuert. Unterstützt durch Markus, der extra seine Trommel mitgebracht hat, stimmen wir Schlachtgesänge und Anfeuerungsrufe an, die zudem noch von Dirk und Thorsten mit der Trompete verstärkt werden. Jeder geworfene Korb wird mit einer Laola-Welle belohnt. Doch schnell zeigt sich, dass wir unseren eingespielten Gegnern stark unterlegen sind und an einen Sieg leider nicht zu denken ist. Wir verlieren haushoch, haben aber tapfer gekämpft!

Nach einer kurzen Mittagspause, die die Jungs dringend nötig haben, fahren wir in die Fußgängerzone von Hefei. Endlich shoppen und das getauschte Geld auf den Kopf hauen! Doch Pustekuchen: Wir ziehen im Pulk durch die Innenstadt, machen hier und da ein Gruppenfoto vor einer Einkaufscenterkulisse und werden schließlich von unseren Gastgebern in einem der eben genannten riesigen Kaufhäuser ausgesetzt. An Shopping ist hier nicht zu denken, da wir genügend Probleme haben den richtigen Ausgang wieder zu finden. Als wir uns zur verabredeten Zeit treffen, trägt kaum einer eine Einkaufstüte bei sich und unsere Geldbeutel wurden nur bedingt erleichtert. Auf der Straße werden wir mit den neugierigen Blicken der Passanten konfrontiert und öfter zeigt sich uns, dass es auch in Hefei viele arme Menschen gibt, die auf der Straße betteln.

Schließlich fahren wir mit dem Bus weiter zu einem Restaurant, in welchem uns der Schulleiter unserer Gastgeberschule bereits freudig empfängt. Nicht nur das feine Restaurant an sich, sondern auch das Essen versetzt uns in Staunen, denn heute gibt es "Hot Pot", was durchaus vergleichbar ist mit unserem heimischen Fondue. Jedoch werden die uns bekannten Speisen durch weitere wie Tintenfisch, Seetang und Schweineohrenscheiben ergänzt. Gesättigt und müde nach diesem aufregenden Essen fahren wir zu unserer Unterbringung zurück. 

Svenja Mertelmeyer

Weiter in Hefei...

Unsere Zimmer auf dem Campus
Willkommensbanner
Erste Begegnungen
Gegenseitiges Musizieren
Musikalisches Kennenlernen
Erstes chinesisches Mittagessen
Brian denkt an alles!
Kampfsporttraining
Traditionelles Papierfalten
Völkerverständigung
ßber 2000 Zuhörer spornen uns an!
Vor dem ersten Konzert
Im Park von Hefei
Tangruppe der Run'an Boarding School
"Basketball-Länderspiel"
Schopping
Hot-Pot ist lecker!

Hersfelder Zeitung, 04.04.2006: Mit Mozart und Bach ins Reich der Mitte

Noch sind die Koffer nicht gepackt, aber die musikalischen Vorbereitungen für das anstehende Großprojekt des Blechbläserensembles der Modellschule Obersberg und Konrad-Duden-Sch...Mehr...

Hersfelder Zeitung, 11.04.2006: In 24 Stunden nach China

Vom Bahnhof Bad Hersfeld in die chinesische Millionenmetropole Hefei in 24 Stunden: So lange brauchten die Mitglieder des Blechbläserensembles von der Modellschule Obersberg (MSO)...Mehr...

Hersfelder Zeitung, 12.04.2006: Waldhessische Exportschlager in China

Noch haben sie die Chinesische Mauer nicht gesehen, doch schon jetzt sind die Mitglieder des Blechbläserensembles der Modellschule Obersberg und der Konrad-Duden-Schule von ihrem ...Mehr...

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