Eine historische Gedenkfeier

Am 07. Mai 2003 begann die Fahrt des Blechbläserensembles der Modellschule Obersberg und Konrad-Duden-Schule. Pünktlich um 4.45 Uhr morgens wurde der Bus beladen, der an der MSO auf uns wartete. Die 13-stündige Fahrt wurde auf verschiedenste Art und Weise genutzt, d. h. Arbeiten wurden korrigiert, einige schliefen oder redeten mit dem Nachbarn - es war wie immer auf unseren Fahrten eine kurzweilige Angelegenheit. Gegen 18 Uhr erreichte der Bus das kleine Städtchen Changé, ein Vorort von Le Mans, im Nordwesten Frankreichs gelegen. Dort wurden allen Teilnehmern ihre Gastfamilien vorgestellt, und nach einer kurzen Begrüßung fuhren wir mit diesen zum Abendessen, um danach pünktlich um 21 Uhr zur angesetzten Probe zu erscheinen. Letztere bestritten wir gemeinsam mit dem Orchester des Ortes, da einige Stücke zusammen bei den Feierlichkeiten am nächsten Tage aufgeführt werden sollten. Und nach der Probe und langen Fahrt waren alle schließlich froh im Bett zu liegen, nicht ohne jedoch einen völkerverständigenden Umtrunk mit den Gastgebern eingenommen zu haben.

Der nächste Tag war der 08. Mai, an dem man in Frankreich das Ende des Zweiten Weltkrieges feiert und der Gefallenen gedenkt. Wir begannen unser musikalisches Programm mit einem Platzkonzert vor der Kirche von Changé, wo wir hauptsächlich moderne Titel wie "We are the World", "One Moment in Time" oder "Down by the Riverside" zum Besten gaben.

Anschließend in der Kirche ging es weniger ausgelassen, dafür feierlich zu, und im Wechsel mit dem Orchester aus Changé begleiteten wir den Gedenkgottesdienst. Dem Auftritt schloss sich eine kleine Parade an, in der wir mit marschierten und französische Märsche intonierten. Und dann folgte der wohl denkwürdigste Moment dieser Reise: beide Orchester positionierten sich vor dem Ehrenmal für die Gefallenen des zweiten Weltkriegs in der Ortsmitte. Unser Dirigent Ulli Meiß dirigierte die französische und der französische Chorleiter die deutsche Nationalhymne sowie die Europahymne - eine Geste von höchstem Völker verbindendem Wert. Einige Bläser zog es nach diesem offiziellen Teil zum Mittagessen in die Gastfamilien, aber die meisten blieben auf dem Marktplatz und begnügten sich mit einem stärkenden Imbiss. Nach vier Stunden Freizeit, die wir gemütlich in der Sonne saßen, folgten noch drei Platzkonzerte, und der musikalische Teil des Tages war vorbei. Während die meisten den Abend mit guten Gesprächen und gutem Essen ausklingen ließen, zog es andere noch ins Nachtleben von Le Mans.

Den nächsten und letzten Tag in Frankreich gingen wir kulturell an. Auf dem Programm stand die Besichtigung des wohl schönsten Loire-Schlosses, Chambord. Die Landschaft um die Loire übte trotz des schlechten Wetters ihren Reiz auf uns aus, und nach zwei Stunden Fahrt erreichten wir unser Ziel. Vorerst blieben die Instrumente im Bus und das Schloss wurde besichtigt. Beeindruckend war gleich am Eingang eine Treppe, die Leonardo da Vinci extra für dieses Gebäude entworfen hatte. Diese besteht im Prinzip aus zwei ineinander verschlungenen Aufgängen, auf denen man sich weder begegnen noch sehen kann, womit der damalige Schlossherr seiner von ihm nicht geliebten Ehefrau erfolgreich aus dem Weg gehen konnte. Diese Treppe führte allerdings auch dazu, dass unser Vorhaben, geschlossen als Gruppe das Schloss zu besichtigen, scheiterte. Ein Teil ging die rechte, der andere die linke Treppe hinauf, und die Gruppe fand sich erst nach zwei Stunden vollständig am Eingang wieder.

Die malerische Kulisse des Schlosses war dann Schauplatz eines einstündigen Platzkonzertes, das wir zur Freude der zahlreichen Besucher gaben. Am Abend hieß es dann Koffer packen, und nach einer anstrengenden Nachtfahrt erreichten wir am nächsten Morgen wohlbehalten unsere Heimatstadt Bad Hersfeld.
 

Irene Radick

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Gemeinsame Probe nach der Ankunft
Historische Gedenkfeier in Changé
Malerische Kulisse.

Hersfelder Zeitung, 14.05.2003: Junge Bläser vor den Mauern von Chambord

Vom französischen König Ludwig XIV seiner Zeit als Jagdresidenz genutzt, ist das an der Loire liegende Schloss Chambord heute fast ein Nationaldenkmal und zählt zu den schönste...Mehr...

Gästebucheintrag vom 26.06.2003:

Alles nur Blech? Nein, aber doch!! Nochmals vielen Dank für die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 8. Mai in Changé. Ihr habt ein sehr gutes Bild und gute Töne abgegeben. Der dt.-franz. Freundschaft habt Ihr damit einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Man bedenke, Ulli dirigierte die französische Nationalhymne an einem 8. Mai, dem wohl sensibelsten Tag der deutsch-französichen Geschichte. Eine noch größere Ehre, ja größeren Vertrauensbeweis kann man sich kaum vorstellen.

Vor kurzem war ich zu dem 24-Stunden-Rennen wieder in Le Mans und bei allen Begegnungen mit französischen Freunden dort und in Changé konnte ich immer wieder nur Positives über "die Deutschen" hören. Ich bin sehr stolz über diese Tatsache, stolz auf Euch! Junge Repräsentanten einer Nation, die viel zu geben hat. Für die Zukunft wünsche ich Euch weiterhin viele Erfolge und gute zwischenmenschliche Kontakte.

Beste Grüße aus Ludwigsau
Partnerschaftsverein Ludwigsau-Changé
Joachim Storck, 1. Vorsitzender

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