D: Agra

Mittwoch, 02.04.2003

Es ist ein Tag, den wir aus unseren Erinnerungen wohl ganz schnell streichen würden, denn die heutige über zwölfstündige Fahrt nach Agra ist in Sachen Übelkeit, Fieber, Bauchschmerzen und Durchfall nicht zu übertreffen. Irgendwie besitzt das Land Indien eindeutig zu wenige bzw. zu wenig passierbare Toiletten, und so sind wir dankbar, als nach einigen Stunden Fahrt eine Fabrik für uns ihre Tore öffnet und wir deren Toilette benutzen dürfen. Generell wirkt der Aufenthalt hier und überhaupt in dieser Gegend auf uns befremdlich und macht uns unsicher, überall werden wir förmlich "angestarrt" und sonderbar gemustert. Hinterher sind wir schlauer, als wir von unseren Gastgebern erzählt bekommen, dass die Menschen hier noch nie weiße, mitteleuropäische Menschen wie uns im direkten Gegenüber gesehen haben.

Jedenfalls sind wir froh, unsere "Odyssee ins Ungewisse" fortsetzen zu können, immer wieder kurz unterbrochen durch die Auswirkungen unserer Magen- und Darmirritationen, wobei hier auf detaillierte Beschreibungen verzichtet werden soll. Selbst die hartgesottensten Photographen unter uns lassen nach und nach vom Bilder knipsen ab, und auch die Stimmungslieder der "Mutmacher" unter uns verstummen allmählich. Wir sind einfach nur heilfroh, das Jaypee Palace Hotel in Agra zu erreichen, wo wir sogleich von einem indischen Arzt versorgt werden und nun neben dem Autan-Spray einen neuen Produkthelden ernennen können: die indischen Antibiotika!

 

Donnerstag, 03.04.2003

Wie schön kann das Leben sein, wenn Übelkeit und Bauchschmerzen nachlassen! Die Inder werden nun sicherlich glauben, Deutsche ernähren sich lediglich von Zwieback, trockenem Brot und schwarzem Tee, denn das sind die "Renner" an diesem Morgen ungeachtet eines fünf-Sterne-Frühstücksbuffets - welch Schande! In dezimierter Besetzung schauen wir uns am Vormittag die verlassene Stadt Fatehpur Sikri an, die Kaiser Akbar 1569 zum Dank für seinen neugeborenen Sohn als neue Residenz bauen ließ, die aber aus Wassermangel schnell ihren Untergang fand, jedoch noch immer ein großartiges Architekturdenkmal darstellt.

Den Besichtigungspunkt am Nachmittag aber lässt sich trotz Magen-Darm-Grippe niemand entgehen: das Taj Mahal. Schon von weitem begrüßt es uns in seiner vollen Schönheit, hinter den langgestreckten Wasserbecken des Gartens wirkt das marmorweiße Mausoleum märchenhaft schön und erhaben. Shah Jahan ließ das Grabmal für seine Lieblingsfrau Mumtaz-i-Mahal errichten, nachdem diese bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war. Nach vielen Gruppen- und Einzelphotos und geschichtlichen Erklärungen zu Indiens berühmtesten Bauwerk und Kulturdenkmal lassen wir die Schönheit des Taj Mahal einfach auf uns wirken und genießen den Augenblick.

Allzu lange Zeit zum Träumen bleibt allerdings nicht, denn um 19.00 Uhr soll unser erstes "richtiges" Konzert in unserem gigantischen Hotel stattfinden; mit sichtlichen Orientierungsproblemen aufgrund seiner Ausmaße hat man gar Schwierigkeiten, den Konzertsaal zu finden. Ob das den Indern auch so geht oder so manche Zeitauffassung etwas von der unseren differiert, lassen wir jetzt mal dahingestellt - das Konzert beginnt jedenfalls etwas später und mit jedem Stück füllt sich der Raum ein wenig mehr. Es ist interessant zu beobachten, wie unnatürlich und ungewohnt unsere Musik auf die indischen Zuhörer wirkt; sie sind verunsichert, wie sie uns Lob und Anerkennung für die dargebotenen Musikstücke entgegenbringen sollen, wissen nicht genau, wann ein Stück beendet zu sein scheint und haben Probleme, den Charakter der Stücke zu interpretieren - aber - und das ist das Enorme: sie hören interessiert zu und sind am Ende begeistert. Selten kamen so viele Menschen nach einem Konzert völlig offen auf uns zu und dankten uns oder stellten Nachfragen.

Überaus glücklich werden wir nun zu einem gigantisch aufgebotenen Buffet mit sämtlichen indischen Köstlichkeiten geladen, die man sich nur vorstellen kann; allerdings beschränkt sich die Nahrungsaufnahme auf Anraten des Hotelarztes bei vielen noch fast ausschließlich auf Reis und Brot. Ein entspannter Abend mit Billard, Bowlen und Disco bringt uns die nötige "Bettschwere", und in solch luxuriösen Hotelzimmern ist ein erholsamer Schlaf nicht schwierig.

 

Freitag, 04.04.2003

Kein offizielles Programm am Morgen - das tut der Seele mal so richtig gut und so genießen wir die Sonne am Pool, den majestätisch anmutenden Hotelbau und das gute Essen, das uns allmählich wieder zu schmecken beginnt, bevor wir am Nachmittag den Weg nach Hisar antreten und dort am späten Abend sehr gespannt ankommen, denn der zweite Teil unserer Reise - ein Leben in Schule und Gastfamilien - ist nun angebrochen.

Bianca Nolte

Weiter nach Hisar...

Vor dem Taj Mahal
Kleiner Inder
Pracht aus weißem Marmor
Konzertankündigung
Konzert im 'Jaypee Palace'-Hotel

Hersfelder Zeitung, 07.04.2003: Gefeiert als nationales Ereignis

Agra, 200 Kilometer südlich von Delhi gelegen, hieß das nächste Ziel unserer Reise. Dieses Mal führte uns der zwölfstündige Trip dorthin abseits irgendwelcher Touristenrouten...Mehr...

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