A: Neu Delhi

Freitag, 28.03.2003

"Wieso nur liegt Indien so abgelegen?" - das war die meistgestellte Frage der 26-köpfigen Reisegruppe, die am frühen Vormittag per Bahn Bad Hersfeld verließ, um sich in langsamen Schritten über Fulda und Frankfurt schließlich Neu-Delhi zu nähern. Grund dieser eher ungewöhnlichen Aktion: Ulli Meiß - Chorleiter des Blechbläserensembles der Modellschule Obersberg und Konrad-Duden-Schule - mailte vor knapp einem halben Jahr einfach einmal so in der ganzen Welt herum, um einen musikalischen Schüleraustausch herzustellen. Der Kontakt, der dabei mit der Vidya Devi Jindal School/Hisar in Indien (150 km westlich von Delhi) entstand, erwies sich von Anfang an als zuverlässig, attraktiv und herzlich. Und so wurde seit Beginn des Jahres "verschärft" geprobt und organisiert, um Deutschland musikalisch und kulturell in weit entfernten Landen gut zu repräsentieren; soweit ein kurzer Einblick in die Anfänge dieses außergewöhnlichen Kontaktes.

Doch zurück zur Reise selbst: Angekommen am Frankfurter Flughafen stelle man sich nun eine Rolltreppe vor, wo nach und nach eine von Alter, Geschlecht und Charakter bunt gemischte Gruppe Jugendlicher und "ausgewachsener Jugendlicher" hochstolpert und man zwischen Tubakoffer und Schlagzeugequipment oftmals den Musiker selbst als letzten entdeckt. Etwas flau in der Magengegend ob der Dinge, die uns in den nächsten 14 Tagen wohl erwarten würden, gibt uns die positive Resonanz des indischen Bodenpersonals beim Einchecken über so eine ungewöhnliche Konzertfahrt im wahrsten Sinne des Wortes Auftrieb, und so steigen wir am frühen Nachmittag in luftige Höhen auf und verbringen die nächsten 10 Stunden erwartungsvoll in einer Boing 747 der Air India.

 

Samstag, 29.03.2003

Moskitos, nervige Kofferträger, undefinierbares Stimmengewirr ... und die dreiköpfige Delegation der Vidya Devi Jindal School, die uns herzlich gegen fünf Uhr morgens indischer Zeitrechnung am Flughafen Indira Gandhi empfängt, sind die ersten Eindrücke eines uns völlig fremden Landes, das zu so früher Morgenstunde schon unnatürlich lebendig und wach scheint. Unser größter Wunsch derzeit: das Wachsein kurzzeitig zu beenden und die Zeitverschiebung schnell zu überwinden.

Der Müdigkeit entgegen wirkt allerdings kurze Zeit später eine der kontrastreichsten Stadtfahrten, die man sich als gemäßigter Mitteleuropäer vorstellen kann: Wellblechhütten oder Liegen mit schlafenden Menschen, Kühe, die den Verkehr behindern, Hupen ohne Unterlass, sämtliche vorstellbare Tiergattungen am Straßenrand und dann das Hotel Vasant Continental, das uns in vollem Luxus, mit frischem Saft und Blumenketten, Kofferträgern und westlichem Standard erwartet; da tut eine kurze Schlafpause als Aufarbeitungsmöglichkeit sichtbar gut.

Gut gestärkt durch ein gehaltvolles Frühstücksbuffet mit indischem Charakter entdecken wir dann mit Bus und zu Fuß die Hauptstadt Indiens: Delhi. Die Moschee Outub Minar, den Hindu-Tempel Shri Lakshmi Narain, der nur barfuß betreten werden darf, der eindrucksvolle Verbrennungsort Mahatma Gandhis - nun Gedenkstätte - und das Nationalmuseum, das uns Einblicke in die Welt des vergangenen Indiens ermöglicht, sind einige der interessanten Sehenswürdigkeiten, die die Gastgeber für uns herausgesucht haben.

Eine Teppichvorführung mit Teegenuss und viel Handel, ein Mittagessen in einem Restaurant mit viel Reis und leckeren Saucen oder das Erlebnis einer sich um den Hals windenden Schlange bei Flötenmusik sind erste Eindrücke dieser zehn Millionen Stadt. Das rote Fort, vom Mughul Kaiser Sha Jahan erbaut, ist eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit des heutigen Tages und lässt den Adrenalinspiegel eines Deutschen auch aufgrund von gigantisch vielen, in Herden auftretenden Bettlern und Händlern etwas in die Höhe schnellen. Bei der Licht- und Tonaufführung über die Stadt Delhi am Abend allerdings verlagert sich die Aufdringlichkeit der Händler auf die der Moskitos und wir überbringen dem Erfinder des Autan-Sprays dankbarst eine Huldigung. All das muss im wahrsten Sinne des Wortes nach einem üppigen Abendbuffet im Hotel erst einmal gut verdaut werden, und so schlafen wir dem nächsten aufregenden Tag entgegen.

Bianca Nolte

Weiter ins Himalaya-Gebirge...

 

Empfang am Flughafen
Empfang im Hotel
Typisches Straßenbild
Vor dem Roten Fort
Schlangenbeschwörer
Hinduistischer Tempel
Gedenkstätte für Mahatma Gandhi
Typische Verkabelung

Hersfelder Zeitung, 04.04.2003: Paläste und tiefe Armut

Während unsere Altersgenossen noch die Schulbank drücken müssen, besuchen wir, das Blechbläser-Ensemble der MSO und der KDS, in einer zweiwöchigen Konzertreise den Norden Indi...Mehr...

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