Mittwoch, 4. April 2007

"Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt." Dies könnte das Motto für den heutigen Vormittag sein, denn eigentlich wollten wir nur ganz entspannt die Koffer packen und nach Nowokusnezk abfahren. Doch bereits vor dem Frühstück erfährt Ulli, dass für unsere Lehrer ein spontaner Empfang beim Bürgermeister von Taschtagol eingeschoben werden soll. Gemeinsam mit Elena als Dolmetscherin werden also Ulli, Thorsten und Dirk ohne Frühstück vom Chauffeur abgeholt und mit einem Wolga ins etwa 30km entfernte Rathaus gefahren.

Wir frühstücken unterdessen, packen die Koffer, beladen den Bus und warten dann auf die Rückkehr der vier. Nachdem sie endlich, mit fast zweistündiger Verspätung vom Empfang eintreffen, stehen Ulli noch die Schweißperlen auf die Stirn geschrieben. Wir erfahren, dass sie mit dem trinkfesten Bürgermeister drei Wodka nicht nur auf die deutsch-russische Freundschaft, sondern vor allem auf nüchternen Magen trinken mussten.

Erst um 11:15 Uhr fahren wir endlich ab in Richtung Nowokusnezk, der mit etwa 500.000 Einwohnern größten Stadt in der ganzen Gegend. Unterwegs verabschieden wir noch Valentina, eine der Organisatorinnen unseres Besuches, die sich voller Wehmut wieder auf den dreitägigen Rückweg mit der Bahn in ihren Wohnort Wolgograd machen muss.

In Nowokusnezk angekommen müssen wir (mal wieder aus Zeitmangel) das erste Konzert ausfallen lassen und direkt zum zweiten in den Jazz-Club "Helios" fahren. Der Club ist sehr elegant eingerichtet, und wir erfahren durch einige Exponate, dass viele bekannte Jazzlegenden aus dem In- und Ausland bereits hier gespielt haben. Unser Programm dauert heute etwa eineinhalb Stunden, in denen wir vor allem unsere fetzigen internationalen Titel auspacken. Freddy findet zum ersten und einzigen Mal ein professionelles Schlagzeug vor und nutzt dies zu einem denkwürdigen Solo in der Dixieland-Suite.

Nach dem etwas verspäteten Mittagessen in einem italienischen Restaurant um 17:30 Uhr besichtigten wir noch einige Sehenswürdigkeiten im Rahmen einer geführten Stadtrundfahrt. Dank zwei Lada Sputniks der Polizei, die mit Blaulicht den Bus begleiten, kommen wir problemlos und sehr zügig durch die Stadt. Dirk und Artjom werden zeitweise sogar parallel von zwei Polizisten durch die Stadt chauffiert, um Ansichtskarten für unsere in Deutschland gebliebenen Ensemble-Mitglieder zu kaufen - leider ohne Erfolg. Scheinbar gibt es hier außer uns keinerlei Touristen und somit auch keine Ansichtskarten.

Auf einer alten mittelalterlichen Festung, die einst zum Schutz gegen die Chinesen erbaut wurde, bekommen wir einen tollen Ausblick über die Industriestadt Nowokusnetzk geboten, und in einer prunkvollen orthodoxen Kirche dürfen wir riesige goldverzierte Ikonenwände bestaunen. Erschöpft von den Erlebnissen des Tages fahren wir schließlich zurück nach Mundybasch, wo wir bereits um 23 Uhr von unseren Gastfamilien erwartet und zu einem reichlichen Abendessen gebeten werden.

Donnerstag, 5. April 2007

Kaum zu glauben, aber heute ist schon unser letzter Tag in Sibirien! Wir treffen uns erst um 12 Uhr und haben daher Zeit, den Vormittag in den Gastfamilien zu verbringen. Mittags schauen wir uns dann in der Schule den selbst erstellten Film der Sibirier über das Internationale Chor- und Orchester-Festival 2006 in Bad Hersfeld an, wobei viele Erinnerungen an die wunderbare Zeit und die gemeinsamen Konzerte in der Stiftsruine geweckt werden.

Schon um 13 Uhr steht unser Abschlusskonzert im Kulturhaus "Oktober" an, das wir für Schülerinnen und Schüler der drei Mundybascher Schulen geben. Zu Beginn stellt Thorsten zusammen mit einigen von uns unsere Blasinstrumente vor, denn viele der jungen Zuhörer hören wohl zum ersten Mal Trompeten und Posaunen. Auch das Konzertprogramm haben wir bewusst peppig gewählt, was seine Wirkung nicht verfehlt: Den "Final Countdown" müssen wir gleich noch als Zugabe wiederholen, aber auch "Gonna fly now" oder "Can you feel the Love tonight?" sind unter sibirischen Jugendlichen scheinbar sehr bekannt. Nach zwei Stunden haben wir jedenfalls alle das Gefühl, uns mit einem außergewöhnlichen Konzert musikalisch aus Russland verabschiedet zu haben.

Nach einem etwas verspäteten Mittagessen in der Schulkantine haben wir noch etwas Zeit, um Koffer zu packen und uns auf die anstehende Rückreise vorzubereiten. Das erweist sich als sehr schwierig, denn die zahlreichen Geschenke, die wir im Laufe der Woche bekommen haben, wollen erst einmal gut verstaut sein. Der Gedanke an das Gepäckwiegen beim Check-In lässt dabei nichts Gutes erwarten?

Um 18 Uhr beginnt dann eine sehr herzliche Abschiedsfeier in der Schule, zu der der Bürgermeister von Mundybasch, der stellvertretende Bürgermeister aus Taschtagol und natürlich die Schulleiterin gekommen sind - um nur einige offizielle Personen zu nennen. Beim gemeinsamen Singen und Spielen werden verschiedene Gastgeschenke ausgetauscht, es gibt ein letztes (aber sehr ausgiebiges) Abendessen, und eine Disko ist ebenfalls noch organisiert.

Als wir notgedrungen gegen 23 Uhr den Bus besteigen müssen, verabschieden uns unsere Gastgeber sogar mit einem Spalier aus Wunderkerzen. Zum Abschied singen wir das Lied "Santo", ehe wir unter vielen Tränen den Gastfamilien und allen anderen neu gewonnenen russischen Freunden auf Wiedersehen sagen müssen.

Freitag, 6. April 2007

Nach einer fünfstündigen, von der Polizei begleiteten nächtlichen Busfahrt müssen wir noch zwei Stunden vor dem Flughafen in Kemerowo warten, weil dieser erst um sechs Uhr öffnet. Das Einchecken entpuppt sich noch schlimmer als erwartet: Die endlosen Diskussionen mit der Fluggesellschaft wegen der Instrumente und des zu zahlenden ßbergepäcks münden darin, dass Ulli und Artjom die offizielle Boarding-Zeit verstreichen lassen müssen. Wir befürchten schon, beide in Kemerowo lassen zu müssen, bevor wir erleichtert feststellen, dass sie in sprichwörtlich letzter Minute noch auf das Rollfeld gebracht werden. Weil das Bezahlen mit Kreditkarte unmöglich war, so erfahren wir von ihnen, würden wir am Moskauer Flughafen von Siberian Airlines jedoch erneut in Empfang genommen.

Es kam, wie es kommen musste: Nach etwa vier Stunden Flug werden wir auch sogleich von zwei Mitarbeitern der Airline begrüßt. Hier wiederholt sich das komplette Szenario, und sogar trotz mehrerer Faxe vom Gouverneur der Provinz Kemerowo gibt es exakt dasselbe Hin und Her wie vier Stunden zuvor. Niemand der Airline ist entscheidungsbefugt, die Vorgesetzten sind nicht erreichbar und die Bezahlung in Euro ist angeblich nicht möglich (auf einem internationalen Flughafen!). Enorm gestresst und weit nach der offiziellen Boarding-Zeit werden Ulli und Artjom schließlich wieder in letzter Minute zum Flieger gebracht.

Der Rest der Rückreise verläuft dagegen unspektakulär: Um 14:35 Uhr Ankunft in Frankfurt, Abholen unseres Gepäcks und planmäßige Fahrt mit dem Zug nach Bad Hersfeld, wo wir um 17:45 Uhr eintreffen.

Es war eine spannende und erlebnisreiche Fahrt, die wir nie vergessen werden!

K. Herwig, E. Cornelius, D. v. Sierakowsky 

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Empfang beim Bürgermeister
Fahrt mit Polizeibegleitung nach Nowokusnetzk
Konzert im Jazz-Club "Helicon"
Konzert im Jazz-Club "Helicon"
Stadtrundfahrt durch Nowokusnetzk
Zwei Barone auf der Kanone
Fetziges Abschlusskonzert...
...in Mundybasch
Tränenreicher...
Abschied
Tschüß Mundybasch!
Tschüß Sibirien!

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