Hersfelder Zeitung vom 20.10.2000

Musikalische Reise nach Russland

Musik verbindet die Völker - das erfuhren auch die Mitglieder des Blechbläser-Ensembles der Modellschule Obersberg wä

Von Peter Lenz

Bad Hersfeld Frenetischer Beifall von rund zweihundert Konzertbesuchern, die Ehrenbürgerschaft für Chorleiter Ulrich Meiß, herzliche Szenen der Dankbarkeit und der Gastfreundschaft trotz aller sprachlichen Probleme - so erlebten die 18 jungen Musiker der Modellschule und ihre Betreuer die Bevölkerung in der russischen Kleinstadt Rostow Welikij, 220 Kilometer nordöstlich von Moskau.
Die dortige Musikschule hatte das Bläserensemble eingeladen, vermittelt hatte den Kontakt Religionslehrer Hartmut Sippel, und schließlich machte eine Finanzierungszusage des Deutschen Musikrates die Reise vom 9. bis zum 17. Oktober kurzfristig möglich trotz aller bürokratischen Hindernisse bei der Visa-Beschaffung. Hier konnte der Bundestagsabgeordnete Michael Roth helfend vermitteln.

Insgesamt sechstausend Kilometer legte die musikalische Truppe bei der Hin- und Rückreise und bei Ausflügen im Land zurück, den größten Teil der Strecke im russischen Schlafwagen ab Hannover bis Moskau bzw. retour. Auf der Hinfahrt wurde Moskau mit nur dreieinhalb Stunden Verspätung erreicht, obwohl schon kurz hinter Hannover ein Waggon wegen technischer Probleme ausgewechselt werden musste.

Die fast zweitägige Bahnfahrt gab den Reisenden Gelegenheit, die russische Landschaft, die ärmlich wirkenden Ortschaften mit Holzhäusern kennenzulernen oder die Menschen auf den Bahnhöfen, die versuchten, Lebensmittel gegen Devisen zu verkaufen.

Untergebracht waren die Gäste aus Bad Hersfeld im Kreml der Stadt Rostow. Die Herberge wurde eigens geheizt - für die örtliche Bevölkerung wird erst ab November die Fernwärme angestellt.
Die gastgebende Musikschule ist eine Vollzeit-Akademie, und die deutschen Schülerinnen und Schüler hatten Gelegenheit, Chor- und Ballettstunden mitzuerleben. Für ein gemeinsames öffentliches Konzert mit einer Folkloregruppe und einem Chor fanden mehrere Proben statt, bei denen die Hersfelder auch zwei russische Volksweisen einstudierten, was beim Publikum gut ankam. Gespielt wurden ferner geistliche Werke im ersten Teil des Konzerts sowie Pop- und Jazz-Arrangements im zweiten, um den Konzertbesuchern die Vielseitigkeit der MSO-Bläser zu demonstrieren.

Neben dem eigenen musikalischen Einsatz erlebten die Obersberg-Schülerinnen und -Schüler kulturelle Höhepunkte bei ihren Busfahrten durchs Land: Die Museen von Jaroslawl, die Stadt Sergejew Possad, ein Zentrum der russischorthodoxen Kirche mit prächtigen Ikonen und Zwiebeltürmen und mit einem Kloster, in dem die Hersfelder ein Ständchen spielten; Kostroma am 500 Meter breiten Wolga-Fluss, in dem die Menschen ihre Wäsche per Hand waschen; und natürlich die Hauptstadt Moskau.
Hier fiel den Besuchern aus Deutschland besonders der Unterschied zwischen der materiellen Armut in weiten Teilen des Landes und dem Glanz der Metropole auf. In Moskau wurde auch der berühmte russische Staatszirkus besucht. Ein Ständchen vor dem Kreml auf dem roten Platz wurde von der allgegenwärtigen Polizei untersagt ? und gelang dann doch in einem unbeobachteten Moment.

"Unsere Musik war es, die von den Menschen verstanden wurde, und unsere Bereitschaft, in diese Gegend zu kommen, rechnete man uns hoch an." So resümierte Reiseteilnehmer und Musiklehrer Dirk von Sirakowski nach der Rückkehr am Dienstag die Erfahrungen des Russland-Aufenthalts.

"Jeder von uns hat sicher seine eigenen Eindrücke aus einem Land mitgenommen, dessen Faszination sich aus Gastfreundschaft und kulturellem Erbe zusammensetzt, aber alle haben wir erlebt, wie wertvoll diese Reise für uns war - eine Reise, die man sonst nirgendwo buchen kann." Ein Gegenbesuch soll zumindest versucht werden.

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