Konzertreisen Russland, Tschechien und Mexiko 2007

 

Konzertreise nach Russland 2007

FlaggeRussland29.03.2007 - 06.04.2007

Im Winter in Sibirien

 

Donnerstag, 29.03.2007

8:30 Uhr, Bahnhof Bad Hersfeld: 25 Sibirienfahrer treffen nach und nach auf dem Bahnhofsvorplatz ein, um eines der größten Abenteuer der noch jungen Geschichte unseres Blechbläserensembles in Angriff zu nehmen. Keiner weiß so genau, was uns in Russland erwartet. Neugierig, voll bepackt (inkl. Schlagzeug und Tuba) und nicht ohne ein Abschiedsfoto vom eigens herbeigeeilten Reporter der Hersfelder Zeitung besteigen wir den Zug um 9:11 Uhr in Richtung Fulda und von dort weiter nach Frankfurt.

Am Flughafen angekommen, verbringen wir fast drei Stunden mit dem Check-In, weil die russische Fluggesellschaft alles andere als kulant mit unserem Gepäck umgeht und trotz vorheriger Absprachen eine sehr kräftige Nachzahlung fordert. Nach zähen Verhandlungen, die sich in Moskau noch einmal wiederholen sollten, heben wir schließlich um 14.30 Uhr in Richtung Russland ab. In Moskau gelandet, ist auschecken, eine vollbepackte längere Wanderung innerhalb des Flughafens und erneutes einchecken angesagt.

Freitag, 30.03.2007

Nach dem viereinhalbstündigen Flug in einer nicht gerade vertrauenserweckenden Tupulev 154 kommen wir um 7:25 Uhr Ortszeit in Kemerovo an. Trotz heftigen Schneesturms glücklich auf einer vereisten Piste gelandet, fällt uns sofort die Zeitverschiebung von sechs Stunden gegenüber Deutschland ins Auge. Der herzliche Empfang am Flughafen tut gut, ehe wir den Bus beladen und unter Polizeischutz zu unserem Hotel „Kuzbass“ fahren.

Malerisch im tief verschneiten Birkenwald gelegen, beziehen wir unsere Zimmer und nutzen die Zeit zum Erfrischen, ehe wir unser erstes russisches Frühstück einnehmen. Anschließend geht es mit dem Bus zu einer Stadtrundfahrt durch Kemerovo, wo uns die Sehenswürdigkeiten erklärt werden. Da wir kein russisch sprechen, sind wir dankbar für Artjoms ßbersetzungen, die aufgrund eines Hallgeräts im Bus zuweilen etwas lustig klingen. Beim Ausstieg an einem großen Bergbau-Denkmal ist zu unserer Verwunderung bereits ein Kamerateam vor Ort – Ullis erstes Interview im russischen Fernsehen sollte noch am gleichen Abend in einer Nachrichtensendung ausgestrahlt werden.

Um 13:30 Uhr kommen wir dann an der Universität der Kultur und Künste an und werden traditionell mit Brot, Salz und einem freudigen Tanz in Trachten begrüßt. Nach einer kleinen Führung der Uni-Präsidentin und einem ausgiebigen Mittagessen in der Mensa haben wir noch eine kleine Probe, die allerdings nahtlos in unser Konzert übergeht.

Im Anschluss an unsere Vorführung treten noch verschiedene Studentengruppen auf, die ihr Können in Gesang, Tanz und Folklore eindrucksvoll unter Beweis stellen. Einige Plaudereien mit den beteiligten Studenten und Lehrkräften runden einen interkulturellen Abend ab, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Nachdem wir zum Hotel zurückgefahren sind und ein leckeres russisches Abendessen genossen haben, sitzen die Meisten trotz akuten Schlafmangels noch eine ganze Weile in der Hotelhalle zusammen.

Samstag, 31.03.2007

Am nächsten Morgen brechen wir nach einem herzhaften Frühstück in Richtung Mundybasch auf, was ungefähr vier Autostunden südlich von Kemerovo in der Taiga liegt.

Die Fahrt verläuft zunächst recht unspektakulär, lediglich bei den wenigen Zwischenstopps machen wir erste Bekanntschaft mit der beißenden sibirischen Kälte. Wie kalt es hier wohl im Januar sein muss? Ein paar Kilometer vor Mundybasch halten wir plötzlich mitten auf der Straße an und werden von Landrat und Bürgermeister mit Wodka, Wein, Brot, Salz und Kaviar begrüßt. Eigens aus diesem Grund sperrt die Polizei die beiden Seiten der Straße ab, sodass sich bereits nach wenigen Minuten lange Autoschlangen bilden. Als Dank für den herzlichen Empfang spielen Ulli und Torsten spontan zwei kleine Volkslieder, bevor wir nach knapp einer halben Stunde den Verkehr wieder freigeben.

In der Schule in Mundybasch angekommen, werden wir auch hier noch einmal herzlich empfangen. Nach einem reichlichen, aber wie in Russland üblich nicht ganz fettarmen Abendessen werden wir in unsere Gastfamilien aufgeteilt. Wir treffen uns jedoch bereits um 20 Uhr wieder im Kulturhaus „Oktober“, wo uns der örtliche Gesangverein ein kleines Konzert in landestypischer Tracht präsentiert (einige Jungs nutzen im Anschluss die Möglichkeit, um die sibirischen Trachten für ein Fotoshooting anzuprobieren).

Sonntag, 01.04.2007

Heute treffen wir uns erst um 11 Uhr gemeinsam in der Schule. Vorher besteht z.B. die Möglichkeit, mit den Gastfamilien einen orthodoxen Gottesdienst zu besuchen oder einfach nur bei -12°C und strahlendem Sonnenschein ein wenig den Ort zu erkunden.

Nach einer gemeinsamen Probe im Kulturhaus „Oktober“, dessen Vorplatz noch immer von einer überlebensgroßen Lenin-Statue geziert wird, geht es zum Mittagessen zurück in die Schule. Ein Spaziergang zur „Glocke“ wird von einigen genutzt um das leckere Essen besser zu verdauen.

Zu unserem ersten Konzert in Mundybasch erwartet uns zur allgemeinen Freude ein vollbesetzter Konzertsaal im „Oktober“. Zunächst führen unsere Gastschüler ihre Musik auf, die sie stimmungsvoll auf sibirischen Volksinstrumenten wie Balalaikas oder Dombras vortragen. Von unserem Programm werden vor allem die „Russischen Nächte“, ein liebevoll arrangiertes Medley bekannter russischer Melodien, vom ganzen Saal kräftig mitgesungen. Spätestens von diesem Augenblick an gehören die Herzen der Zuhörer uns und unserer Musik, was am Ende des Konzerts in stehenden Ovationen und mehreren Zugaben gipfelt.

Glücklich über die gelungene Vorstellung essen wir in der Schule zu Abend und gehen dann in die Sporthalle, wo sich eigentlich unsere Jungs mit der sibirischen Volleyball-Schulmannschaft messen sollen. Doch plötzlich kommen sechs Mädchen aufs Spielfeld und gewinnen haushoch! Nach diesem aufregendem Spiel gibt es noch eine Mini-Disco, die jedoch um 22 Uhr schon viel zu früh enden muss…

Montag, 02.04.2007

Nach einem Frühstück in unseren Gastfamilien treffen wir uns bereits um 8 Uhr in der Schule zur Abfahrt nach Taschtagol, einem Städtchen am Rande des Altai-Gebirges, etwa eine Autostunde südlich von Mundybasch gelegen. Dort angekommen erwartet uns zunächst eine Exkursion ins Heimatmuseum, ehe wir in der Stadtbibliothek auf eine Gruppe von Deutschlehrern treffen, die sich etwa eine Stunde neugierig und angeregt mit uns austauschen.

Nach einem vorzüglichen dreigängigen Mittagessen im Restaurant „Topas“, es gibt sogar Kaviar-Pfannkuchen, fahren wir in die Bergbau-Siedlung Schalim. Nach mittlerweile routinemäßigem Aufbau und kurzem Einspielen beginnt bereits unser Konzert, das heute von zwei Fernsehkameras aufgezeichnet wird. Es gelingt uns schnell, das durchweg sehr junge Publikum im ausverkauften Konzertsaal zu begeistern – vor allem unser italienisches Medley und die Moskauer Nächte kommen (wie immer auf der Reise) super an.

Im Anschluss geht es dann nach Scheregesch, wo wir uns in den Zimmern des Hotels einrichten. Nach dem Abendessen gehen die Jungs in die Hotelsauna – und danach treffen wir uns noch gemeinsam im Billardraum, um einen weiteren erlebnisreichen Tag ausklingen zu lassen.

Dienstag, 03.04.2007

NNach dem Frühstück fahren wir mit reichlich Verspätung und dick eingepackt zu einem nahe gelegenen Skigebiet, von dort geht es etwa 20 Minuten mit dem Lift eine schier endlose Piste hinauf. Zeitweise streifen wir mit den Füßen fast den Schnee unter uns, der nach Aussage der ortskundigen Russen noch immer an einigen Stellen 7m hoch liegt.

Oben angekommen empfängt uns ein eisiger Schneesturm, der uns schnell in eine benachbarte Berghütte treibt, wo wir uns bei leckeren „Blinis“ (russische Pfannkuchen) wieder aufwärmen können. Nach einem obligatorischen Gruppenfoto im Schneegestöber fahren wir direkt im Anschluss mit dem Lift wieder herunter, denn für weitere Unternehmungen ist es oben viel zu kalt. Nun bekommt jeder noch die Chance mit einem eigens bestellten Schneemobil zu fahren, bevor wir in ein Restaurant zum Mittagessen gehen.

Auf dem Heimweg nach Taschtagol machen wir trotz knappem Zeitplan noch einen unvorhergesehenen Abstecher in die örtliche Musikschule, wo eigens für uns ein kleines Jugendchor-Konzert dargeboten wird. Wegen Zeitmangels fällt dann unsere ursprünglich geplante Probe ins Wasser und wir fahren stattdessen direkt ins Hotel zurück.

Dort heißt es in Windeseile umziehen, um gerade noch rechtzeitig zu unserem eigenen Konzert zu erscheinen. Die Moskauer Nächte führen wir heute zum Abschluss des Programms gemeinsam mit dem Chor der Musikschule auf. Klar, dass das ganze Publikum wieder mitsingt und wir auch einige Zugaben geben müssen. Vor allem Freddy und André werden heute noch mehr als sonst von den zahlreichen jugendlichen Fans belagert und tauschen noch des ßfteren ihre Handynummern aus.

Dann geht es zurück ins Hotel, wo wir zu Abend essen. Unser Abendprogramm besteht wieder aus typisch russischer Sauna und einem Treffen im Billardzimmer.

Mittwoch, 04.04.2007

„Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.“ Dies könnte das Motto für den heutigen Vormittag sein, denn eigentlich wollten wir nur ganz entspannt die Koffer packen und nach Nowokusnezk abfahren. Doch bereits vor dem Frühstück erfährt Ulli, dass für unsere Lehrer ein spontaner Empfang beim Bürgermeister von Taschtagol eingeschoben werden soll. Gemeinsam mit Elena als Dolmetscherin werden also Ulli, Thorsten und Dirk ohne Frühstück vom Chauffeur abgeholt und mit einem Wolga ins etwa 30km entfernte Rathaus gefahren.

Wir frühstücken unterdessen, packen die Koffer, beladen den Bus und warten dann auf die Rückkehr der vier. Nachdem sie endlich, mit fast zweistündiger Verspätung vom Empfang eintreffen, stehen Ulli noch die Schweißperlen auf die Stirn geschrieben. Wir erfahren, dass sie mit dem trinkfesten Bürgermeister drei Wodka nicht nur auf die deutsch-russische Freundschaft, sondern vor allem auf nüchternen Magen trinken mussten.

Erst um 11:15 Uhr fahren wir endlich ab in Richtung Nowokusnezk, der mit etwa 500.000 Einwohnern größten Stadt in der ganzen Gegend. Unterwegs verabschieden wir noch Valentina, eine der Organisatorinnen unseres Besuches, die sich voller Wehmut wieder auf den dreitägigen Rückweg mit der Bahn in ihren Wohnort Wolgograd machen muss.

In Nowokusnezk angekommen müssen wir (mal wieder aus Zeitmangel) das erste Konzert ausfallen lassen und direkt zum zweiten in den Jazz-Club „Helios“ fahren. Der Club ist sehr elegant eingerichtet, und wir erfahren durch einige Exponate, dass viele bekannte Jazzlegenden aus dem In- und Ausland bereits hier gespielt haben. Unser Programm dauert heute etwa eineinhalb Stunden, in denen wir vor allem unsere fetzigen internationalen Titel auspacken. Freddy findet zum ersten und einzigen Mal ein professionelles Schlagzeug vor und nutzt dies zu einem denkwürdigen Solo in der Dixieland-Suite.

Nach dem etwas verspäteten Mittagessen in einem italienischen Restaurant um 17:30 Uhr besichtigten wir noch einige Sehenswürdigkeiten im Rahmen einer geführten Stadtrundfahrt. Dank zwei Lada Sputniks der Polizei, die mit Blaulicht den Bus begleiten, kommen wir problemlos und sehr zügig durch die Stadt. Dirk und Artjom werden zeitweise sogar parallel von zwei Polizisten durch die Stadt chauffiert, um Ansichtskarten für unsere in Deutschland gebliebenen Ensemble-Mitglieder zu kaufen – leider ohne Erfolg. Scheinbar gibt es hier außer uns keinerlei Touristen und somit auch keine Ansichtskarten.

Auf einer alten mittelalterlichen Festung, die einst zum Schutz gegen die Chinesen erbaut wurde, bekommen wir einen tollen Ausblick über die Industriestadt Nowokusnetzk geboten, und in einer prunkvollen orthodoxen Kirche dürfen wir riesige goldverzierte Ikonenwände bestaunen. Erschöpft von den Erlebnissen des Tages fahren wir schließlich zurück nach Mundybasch, wo wir bereits um 23 Uhr von unseren Gastfamilien erwartet und zu einem reichlichen Abendessen gebeten werden.

Donnerstag, 05.04.2007

Kaum zu glauben, aber heute ist schon unser letzter Tag in Sibirien! Wir treffen uns erst um 12 Uhr und haben daher Zeit, den Vormittag in den Gastfamilien zu verbringen. Mittags schauen wir uns dann in der Schule den selbst erstellten Film der Sibirier über das Internationale Chor- und Orchester-Festival 2006 in Bad Hersfeld an, wobei viele Erinnerungen an die wunderbare Zeit und die gemeinsamen Konzerte in der Stiftsruine geweckt werden.

Schon um 13 Uhr steht unser Abschlusskonzert im Kulturhaus „Oktober“ an, das wir für Schülerinnen und Schüler der drei Mundybascher Schulen geben. Zu Beginn stellt Thorsten zusammen mit einigen von uns unsere Blasinstrumente vor, denn viele der jungen Zuhörer hören wohl zum ersten Mal Trompeten und Posaunen. Auch das Konzertprogramm haben wir bewusst peppig gewählt, was seine Wirkung nicht verfehlt: Den „Final Countdown“ müssen wir gleich noch als Zugabe wiederholen, aber auch „Gonna fly now“ oder „Can you feel the Love tonight?“ sind unter sibirischen Jugendlichen scheinbar sehr bekannt. Nach zwei Stunden haben wir jedenfalls alle das Gefühl, uns mit einem außergewöhnlichen Konzert musikalisch aus Russland verabschiedet zu haben.

Nach einem etwas verspäteten Mittagessen in der Schulkantine haben wir noch etwas Zeit, um Koffer zu packen und uns auf die anstehende Rückreise vorzubereiten. Das erweist sich als sehr schwierig, denn die zahlreichen Geschenke, die wir im Laufe der Woche bekommen haben, wollen erst einmal gut verstaut sein. Der Gedanke an das Gepäckwiegen beim Check-In lässt dabei nichts Gutes erwarten?

Um 18 Uhr beginnt dann eine sehr herzliche Abschiedsfeier in der Schule, zu der der Bürgermeister von Mundybasch, der stellvertretende Bürgermeister aus Taschtagol und natürlich die Schulleiterin gekommen sind – um nur einige offizielle Personen zu nennen. Beim gemeinsamen Singen und Spielen werden verschiedene Gastgeschenke ausgetauscht, es gibt ein letztes (aber sehr ausgiebiges) Abendessen, und eine Disko ist ebenfalls noch organisiert.

Als wir notgedrungen gegen 23 Uhr den Bus besteigen müssen, verabschieden uns unsere Gastgeber sogar mit einem Spalier aus Wunderkerzen. Zum Abschied singen wir das Lied „Santo“, ehe wir unter vielen Tränen den Gastfamilien und allen anderen neu gewonnenen russischen Freunden auf Wiedersehen sagen müssen.

Freitag, 06.04.2007

Nach einer fünfstündigen, von der Polizei begleiteten nächtlichen Busfahrt müssen wir noch zwei Stunden vor dem Flughafen in Kemerowo warten, weil dieser erst um sechs Uhr öffnet. Das Einchecken entpuppt sich noch schlimmer als erwartet: Die endlosen Diskussionen mit der Fluggesellschaft wegen der Instrumente und des zu zahlenden ßbergepäcks münden darin, dass Ulli und Artjom die offizielle Boarding-Zeit verstreichen lassen müssen. Wir befürchten schon, beide in Kemerowo lassen zu müssen, bevor wir erleichtert feststellen, dass sie in sprichwörtlich letzter Minute noch auf das Rollfeld gebracht werden. Weil das Bezahlen mit Kreditkarte unmöglich war, so erfahren wir von ihnen, würden wir am Moskauer Flughafen von Siberian Airlines jedoch erneut in Empfang genommen.

Es kam, wie es kommen musste: Nach etwa vier Stunden Flug werden wir auch sogleich von zwei Mitarbeitern der Airline begrüßt. Hier wiederholt sich das komplette Szenario, und sogar trotz mehrerer Faxe vom Gouverneur der Provinz Kemerowo gibt es exakt dasselbe Hin und Her wie vier Stunden zuvor. Niemand der Airline ist entscheidungsbefugt, die Vorgesetzten sind nicht erreichbar und die Bezahlung in Euro ist angeblich nicht möglich (auf einem internationalen Flughafen!). Enorm gestresst und weit nach der offiziellen Boarding-Zeit werden Ulli und Artjom schließlich wieder in letzter Minute zum Flieger gebracht.

Der Rest der Rückreise verläuft dagegen unspektakulär: Um 14:35 Uhr Ankunft in Frankfurt, Abholen unseres Gepäcks und planmäßige Fahrt mit dem Zug nach Bad Hersfeld, wo wir um 17:45 Uhr eintreffen.

Es war eine spannende und erlebnisreiche Fahrt, die wir nie vergessen werden!

K. Herwig, E. Cornelius, D. v. Sierakowsky

 

Konzertreise nach Tschechien 2007

FlaggeFinnland15.06.2007 - 17.06.2007

Zu Gast bei Freunden

 

Freitag, 15.06.2007

Es war 3:00 Uhr morgens, in einer klaren, milden Sommernacht, als ein Bus in Bad Hersfeld an der Bushaltestelle der Obersbergschulen hielt, um uns in das weit entfernte Zabreh zu bringen. So kam es einem zumindest vor, wenn man per Bus reiste. Es dauerte ca. zehn Stunden bis der Bus, der zuweilen durch Stauaufkommen und notwendige Pausen (nicht, dass wir diese gebraucht hätten…) sein vorläufiges Ziel erreichte: eine verlassene Kreuzung in einem kleinen Dorf in der Nähe von Zabreh, an der eigentlich jemand hätte stehen sollen, der uns zu unserer Unterkunft bringen sollte. Wie Ulli dann durch ein Telefonat mit Standa, unserem langjährigen tschechischen Bekannten aus Zabreh, feststellte, hatten unsere Gastgeber kurz zuvor eine Planänderung vorgenommen (wie wir später noch merken sollten, sollte es nicht die letzte gewesen sein).

Nach einem halbstündigen Umherirren und Befragen der örtlichen Bevölkerung gelang es uns schließlich doch noch den Kindergarten des Dorfes Dolni Studenky zu finden, der für die nächsten Tage unsere Unterkunft sein sollte. Schließlich fanden wir mit dem Kindergarten auch Standa und diejenige Person, die uns eigentlich zum Kindergarten hätte begleiten sollen. Wie dem auch sei, wir waren jedenfalls froh, die lange Busfahrt hinter uns gebracht zu haben, und richteten uns für die nächsten drei Tage gemütlich ein.

Nach einer kleinen spontanen Probe im Freien hieß es dann „Fertig machen zum Konzert“. Wir wurden diesmal sogar von zwei Bussen abgeholt, was keiner von uns wirklich verstand -:), aber aufgrund der Klimaanlage, die der zweite Bus eingebaut hatte, fragten wir nicht nach. Kurze Zeit später erreichten wir das Kulturhaus von Zabreh, in dem das Eröffnungskonzert des Musikfestivals stattfinden sollte – neben uns waren noch andere Gruppen aus ßsterreich, Polen und Tschechien angereist. Das Konzert war zunächst nicht ganz so gut besucht, wie wir es uns gewünscht hätten, aber alle Orchester unterstützten sich gegenseitig und lauschten den Vorträgen der anderen Gruppen, sodass der Saal letztlich doch voll besetzt war. Als das Konzert vorbei war, gab es eine kleine Aftershowparty mit leckerem tschechischen Buffet. Bei dieser Gelegenheit tauschten sich auch alle Mitglieder der verschiedenen Orchester und Gruppen untereinander aus, und besonders Ulli ging an diesem Abend in der Aufgabe auf, neue Partnerschaften zwischen Schulorchestern ins Leben zu rufen.

Samstag, 16.06.2007

Am nächsten Morgen hieß es für alle um 6.30 Uhr „AUFSTEHEN!!!“. Da im ganzen Kindergarten nur eine Dusche vorhanden war und einige nicht so lange warten wollten (bzw. „harte Kerle“ waren, wie es später ausgelegt wurde), gab es für diese Herren im Freien eine Ersatzmöglichkeit in Form eines Gartenschlauches, aus dem eiskaltes Wasser kam. Als dann jeder auf seine Weise geduscht hatte, wurden wir mit dem Bus zum Frühstück in die örtliche Schule gefahren.

Frisch gestärkt ging es nach dem Frühstück weiter nach Sumperk. Auf dem Marktplatz gab es ein kleines Platzkonzert, an dem ursprünglich alle Gruppen des Festivals teilnehmen sollten. Dann wurde kurzerhand beschlossen, dass wir doch bereits vor einem Museum aufbauen sollten, dem Ort unseres Platzkonzerts für diesen Tag. Doch leider erreichte uns diese Planänderung ein wenig zu spät. Genau genommen erst, als wir schon mit einer kleinen Besetzung spielbereit vor dem Bürgermeister standen. Nun ließ es sich Ulli auch nicht mehr nehmen „Do Lord“, „Joshua and the Battle of Jericho“ und „Ragtime“ anzuzählen. Anfangs wollte Standa dies noch durch energisches Beflehen Ullis verhindern, sah dann aber schnell ein, dass er keine Chance hatte, und gab sich geschlagen. Dann ging es aber wie eigentlich geplant mit dem Bus zum Museumsplatz von Zabreh, wo wir dieses Mal ein richtiges Platzkonzert gaben und sich auch schon nach kurzer Zeit ein begeistert lauschendes Publikum einfand. Als wir unseren Teil des Konzertes beendet hatten, blieb uns leider nur noch wenig Zeit einem weiteren, uns bis dahin noch unbekannten tschechischen Orchester zu lauschen, weil es sogleich wieder zurück zur Schule zum Mittagessen ging.

Nachdem unser Hunger an diesem Tag zum zweiten Mal gestillt wurde, begab sich ein kleiner Teil unseres „Kollektivs“ zu einem Empfang im Rathaus von Dolni Studenky, wo auch das am Nachmittag und Abend geplante Platzkonzert und das Monsterkonzert im Anschluss besprochen wurden. Diese kleine Gruppe bestand aus Ulli, Dirk und Standa. Der Rest fuhr zu einem großen Supermarkt, wo wir noch Sachen zum Ausspannen und Verpflegung für die Heimreise am nächsten Tag kaufen konnten.

Doch in dieser Situation der Ruhe und Gelassenheit, die jeder sichtlich genoss, bekam Günther plötzlich einen Anruf von Ullis Handy: „Es gab eine kleine Planänderung: Wir sollen in ungefähr einer Stunde auf dem Festplatz das Konzert geben“. Natürlich war jetzt mit entspanntem Shopping erstmal Schluss. Alle ´raus aus dem Supermarkt und ab zum Kindergarten, wo die bequemen Jeans gegen die Anzüge umgetauscht wurden und wir auf Ulli, Dirk, Standa und neue Informationen warteten.

Als alle beim Kindergarten eintrafen, ging es mit Marschmusik zum ungefähr 1 km entfernten Festplatz, wo der Höhepunkt des Festivals an diesem Abend stattfinden sollte. Dort endlich angekommen, waren wir bereit zu spielen, doch in der Zwischenzeit gab es eine kleine unverhoffte Planänderung. Wir waren im Programm von der dritten an die vorletzte Stelle des Konzerts geschoben worden. Das hieß dann also warten und Däumchen drehen, was nicht so schlimm war, da es genug zu sehen und viele Stände mit tschechischen Köstlichkeiten auf dem Festgelände gab.

Gegen 18:30 Uhr konnten wir dann endlich spielen. Unser Auftritt dauerte ungefähr eine halbe Stunde und wir konnten die Besucher restlos überzeugen, es gab tosenden Applaus! Nach unserem Auftritt und dem darauf folgenden Konzert eines sinfonischen Blasorchesters, dessen Qualität das Staunen aller auf sich zog, begann dann das Finale des Festivals. Alle teilnehmenden Orchester spielten zusammen „Skoda Lasky“ und die einzelnen Leiter der verschiedenen Gruppen wurden geehrt. Danach gab es noch eine berauschende Feier mit Tanz, Musik, Feuerwerk. Leider mussten wir bald wieder den Heimweg in Richtung Kindergarten antreten, da wir am nächsten Morgen schon früh aufbrechen wollten.

Sonntag, 17.06.2007

Dieses frühe Aufbrechen war dann durch verschiedene Uhrzeiten gekennzeichnet. Es kam ganz darauf an, ob man seinen Koffer schon abends gepackt hatte oder nicht. Nach einer wiederholt erfrischenden Dusche oder einer langen Wartezeit standen wir dann doch alle pünktlich vor dem Kindergarten bereit, um mit dem Bus zum letzten Frühstück in die Schule von Dolni Studenky zu fahren. Hier gab es auch die Gelegenheit zum Verabschieden von den anderen Orchestern des Festivals.

Für die Heimfahrt gestärkt und mit zusätzlichen Lunchpaketen ausgerüstet, fuhren wir an der Schule ab und genossen den folgenden kulturellen Teil unserer Reise. Zuerst fuhren wir mit Standa, der uns begleitete, zur tschechischen Märchenburg Bouzov, in der wir eine ausgedehnte Führung hatten. Die Hausschuhe, die dort jeder vorher verpasst bekam und die entweder dem Schutz des empfindlichen Parkettbodens oder einfach nur zum Sauberhalten dienten, lösten dabei große Heiterkeit aus. Und wie hätte es schließlich anders kommen können? Als die Führung beendet war und wir die Burg verlassen hatten, vernahmen wir die zwei so oft auf dieser Fahrt vernommenen Phrasen „AUF GEHT“S!!!“ und „GRUPPENFOTO“. Dies durfte natürlich auch vor dieser grandiosen Kulisse nicht augelassen werden!

Nach der Burgbesichtigung ging es weiter zu einem wunderschönen Renaissanceschloss in Litomysil. Beim Besuch des Schlosses wurde gleich über eine mögliche nächste Konzert-Location geredet, denn der Innenhof wurde gerade in eine Art „kleine Stiftsruine“ umgebaut. Nachdem wir wieder am Bus angekommen waren, verabschiedete sich Standa von uns und fuhr mit dem Bus wieder zurück in Richtung Zabreh. Unser hervorragender Busfahrer Achim bekam im Schlossgarten noch ein kleines Ständchen gespielt und schon ging es wieder auf den Weg nach Hause. Der kam uns diesmal komischerweise nicht so lang wie der Hinweg vor, was aber auch daran gelegen haben könnte, dass wir im Bus einfach mehr geschlafen haben, weil wir nach diesem anstrengenden Konzertreisenwochenende einfach sehr, sehr müde waren.

Frederik Walendczus

 

Konzertreise nach Mexiko 2007
 
FlaggeEngland17.07.2007 - 27.07.2007

"Vamos a Mexiko"

 

Dienstag, 17.07.2007

Mit müden Augen und gespannt auf das ferne Land der Kakteen und Sombreros treffen wir uns um 3 Uhr nachts am nebligen Obersberg, um uns gemeinsam mit unserem Dirigenten Ulli wieder einmal auf den Weg zu machen, einen fernen Kontinent zu bereisen: "Vamos a Mexiko!!

Diesmal von Düsseldorf aus besteht die erste Etappe unserer Reise aus zehn Flugstunden nach Atlanta, USA. Dort angekommen verkürzen wir uns den sechsstündigen Aufenthalt in den Restaurants und Cafés der Flughafenhalle. Der erste Schock erwartet uns, als wir am Gate für unseren Weiterflug nach Mexiko-City ankommen und erfahren, dass für unser Flugzeug keine Crew bereitsteht. Unsere Wartezeit verlängert sich somit nochmals um zwei Stunden.

Gute Aussicht haben wir auf das, was uns den zweiten Schock bereitet: Wir müssen mit ansehen, wie unser Gepäck, insbesondere die wertvollen Instrumente, mit viel Liebe und Sorgfalt vom Flughafenbodenpersonal auf das Verladeband geknallt wird. In dieser Situation bangen und hoffen wir, dass die Koffer halten und unseren heißgeliebten Instrumenten nichts passiert.

Der Pilot erreicht schließlich das Gate und es kann endlich weitergehen nach Mexiko-City, wo wir um Mitternacht ankommen. Doch was nun? Wir stehen in der Flughafenhalle der Millionenstadt, verstehen kein Spanisch und bemühen uns, Koffer und Gedanken beisammen zu halten. Plötzlich erspähen wir in der hintersten Ecke der riesigen Halle ein Schild mit leuchtend rosa Buchstaben: „Willkommen Ulli“! Erleichtert atmen wir auf und lassen uns bereitwillig von den drei mexikanischen Studenten zum Shuttlebus des Flughafenhotels Ramada bringen. Nach Aufteilung der Zimmer fallen wir erschöpft aber glücklich in die fremden, luxuriösen Betten.

Mittwoch, 18.07.2007

An diesem Morgen stärken wir uns mit einem sensationellen europäischen Frühstück und warten dann mit gepackten Koffern in der Hotellobby, bis es auch die Letzten (u.a. Ulli) aus dem Whirlpool in die Wartehalle geschafft haben. Durch Hilfe der freundlichen Kofferträger verläuft die Fahrt in den überfüllten Shuttlebussen zum Flughafen reibungslos. Dort geht es diesmal nicht zum Terminal, sondern zum Busbahnhof, wo uns ein komfortabler Bus nach Querétaro erwartet.

Nach drei Stunden Fahrt, auf der wir erste Eindrücke von Mexiko sammeln können, steigen wir im Platzregen an unserem Ziel, der 200.000 Einwohner zählenden Stadt Santiago de Querétaro aus. Unsere Kontaktperson Karina empfängt uns herzlich mit einem verschmitzten Lächeln und den Worten: „Momentan ist nun mal Regenzeit!“ Sofort organisiert sie Taxis, die uns quer durch die Stadt zu unserer Pension „Meson de Matamoros“ bringen.

Nach Bezug der Zimmer sind wir alle neugierig auf die fremde Stadt und lassen uns von Karina ein wenig herumführen. Beim Abendessen lernen wir auch einige der Austauschschüler kennen, mit denen ein Teil der Gruppe sogleich das Nachtleben Queretaros erkundet. Dabei dürfen wir das traditionelle mexikanische Bier kosten: Der salzige und zitronige Geschmack kommt bei den meisten von uns allerdings weniger gut an.

Donnerstag, 19.07.2007

Nach dem Frühstück proben wir zunächst in einem Kulturzentrum der Stadt und bereiten uns auf unser erstes Konzert in der Universität vor. Diego, der Schlagzeuger der Reggaeband, mit der wir später noch auftreten werden, fährt uns im Kleinbus geduldig einige Male durch das Verkehrschaos der Großstadt, bis endlich alle Musiker mit ihren Instrumenten die Universität erreichen.

Ausgestattet mit unseren Festival-Poloshirts bringen wir das Konzert routinemäßig hinter uns und freuen uns über die Begeisterung der Studenten und Lehrer. Anschließend gibt es sogar ein deutsches Mittagessen: Schnitzel und Krautsalat.

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hotel verschafft uns Alba, eine der Studentinnen, mit einer ausgiebigen Stadtführung einen guten ßberblick über die Stadtgeschichte und Kultur Querétaros, dessen Innenstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Besonders stolz führt sie uns zum Wahrzeichen der Metropole, dem bekannten Kloster und Aquädukt, welches von den Spaniern erbaut wurde. Am Abend ruft Ulli das bekannte Stickwort „Ausschwärmen“ aus und wir freuen uns über das Programm „Freie Abendgestaltung“.

Freitag, 20.07.2007

Voller Erwartung auf ein sättigendes Frühstück machen wir uns auf den Weg zum „Café Torrero“, sind jedoch verdutzt, als wir vor verschlossenen Türen stehen. Doch Rettung naht: Karina biegt um die Ecke und baut ihren Gartenklapptisch direkt vor dem Hoteleingang auf. Heute ist also mexikanisches Frühstück angesagt: gestampfter Mais in verschiedenen Geschmacksrichtungen und ein Getränk, das eventuell etwas nach Hirse- oder Milchreis schmeckt. Das Essen findet nicht bei Allen gleichermaßen guten Anklang, ist es doch recht ungewöhnlich für europäische Mägen.

Bei der anschließenden Probe mit der Reggaeband im Kulturzentrum vereinen sich südamerikanische und europäische Klänge. Da unsere Musik einige interessierte Zuhörer anlockt, entschließen wir uns zu einem spontanen Konzert, und vor allem das gemeinsame Spielen mit der Band erfreut das Publikum sichtlich.

Beschwingt von unserem Konzerterfolg verbringen wir die folgenden Stunden in unseren Hotelzimmern, um uns auszuruhen. Für die gewünschte Gemütlichkeit sorgt allein schon der Platzmangel in unseren Zweierzimmern, die wir zu Viert bewohnen. Da wird es nachts schon mal kuschelig.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings nicht, denn schon bald heißt es wieder „raus aus den Betten“ zum abendlichen Konzert, das in einem Luxushotel in einem Außenbezirk Queretaros stattfindet. Da sich dieser Auftritt etwas verzögert, fassen wir einen verhängnisvollen Entschluss: Tortillas müssen her, um unsere hungrigen Mägen zu füllen!

Unsere große Freude über das erste mexikanische Essen (es war sehr lecker!) verfliegt jedoch schon während des folgenden Konzerts. Bei einigen treten die ersten Anzeichen von ßbelkeit und Magenschmerzen auf. Wir lassen uns den Spaß am Konzert dadurch nicht nehmen und beim anschließenden Tanz zum Spiel der Reggaeband sind die Beschwerden schon wieder wie weggeblasen.

Wieder im Hotel angekommen, verziehen sich Einige schnell zurück auf ihre Zimmer, während der Rest der Gruppe den Tag in einer nahegelegenen Bar ausklingen lässt.

Samstag, 21.07.2007

Doch so schnell sollten wir den Tortillas nicht davonkommen: Schon während der Nacht sucht die Fleischfüllung der Tortillas den Weg aus den Mägen, einige müssen sich übergeben und Durchfall ist ebenfalls bei vielen auf dem Vormarsch.

Diejenigen, die am Morgen noch keine Symptome zeigen, machen sich auf den Weg nach San Bernal, eine etwa eine Autostunde von Queretaro entfernte mexikanische Kleinstadt. Doch schon während der Fahrt geht es bei vielen bergab mit dem Kreislauf und allgemeine Übelkeit macht sich breit. Um noch etwas von der schönen alten Kolonialstadt zu sehen, schleichen wir durch die engen Gassen und versuchen, deren Anblick zu genießen. Früh jedoch merken wir, dass die Anstrengung zu groß ist, und wir machen uns daher auf den Weg zu einer Sektkellerei der Firma Freixenet, wo ein Konzert geplant ist.

Da nur etwa die Hälfte der Musiker überhaupt mitgekommen ist und es den Mitfahrenden zusehends schlechter geht, stehen die Chancen auf ein gutes Konzert diesmal nicht bei 100 Prozent. Leider hat es auch unseren Schlagzeuger Freddy in der Nacht erwischt, aber Victor ersetzt das Schlagzeugsolo gekonnt durch Tubaklänge, das Konzert verläuft besser als gedacht und wir freuen uns, die Zuschauer begeistern zu können. Kaum ist der Auftritt geschafft, verflüchtigen sich einige jedoch schnell in den Bus, und nur die Widerstandsfähigsten machen noch eine Führung durch die Sektkeller mit, bevor es so schnell wie möglich wieder zurück ins Hotel geht.

Dort hilft jeder jedem, was die Gruppe noch mehr zusammenschweißt: Man liest sich gegenseitig vor, misst Fieber, kocht Tee und hofft, dass das Übel bald vorbei ist.

Sonntag, 22.07.2007

Eine Ausbreitung des fiesen Magen-Darm-Virus sorgt dafür, dass wir heute erneut in einer fast gänzlich veränderten Konstellation nach San Miguel de Allende aufbrechen. Die 120.000 Einwohner zählende Stadt gilt heutzutage als besonders sehenswert, da sie im frühen 19. Jahrhundert ihren ursprünglichen Namen zu Ehren Ignacio Allendes änderte. Dieser in ganz Mexiko bekannte General spielte im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier eine entscheidende Rolle.

Nach dem Frühstück, bei dem sich fast alle unserer Gruppe auf trockenen Toast beschränken, besichtigen wir das Haus von General Allende, welches heute ein Museum beherbergt, und die eindrucksvolle Kathedrale „Parroquia de San Miguel“. Nach Beendigung der Stadtführung haben wir die Möglichkeit auf einem riesigen Kunstmarkt alle landestypischen Dinge zu erwerben: Ob Schmuck oder mexikanisches Spielzeug, Sombreros oder Ponchos, hier findet sich für Jeden etwas. Bevor wir die Rückreise nach Querétaro antreten, fahren wir noch zu einem Aussichtspunkt, von dem wir die ganze Stadt überblicken können.

Da wir alle noch sehr geschwächt sind und die Stadtbesichtigung anstrengend war, sind wir froh, dass an diesen Abend kein weiteres Programm mehr ansteht. Außerdem müssen unsere im Hotel zurückgebliebenen kranken Gruppenmitglieder natürlich gepflegt und mit Zwieback und Tee versorgt werden.

Montag, 23.07.2007

Das heutige Frühstück, Crêpes, sorgt dafür, dass wir uns gut gelaunt am späten Vormittag zu unserem Platzkonzert aufmachen. Dort angekommen, stellen wir jedoch fest, dass sich der kleine Park an einer der meistbefahrenen Straßen Querétaros befindet und außer einigen schlafenden Mexikanern niemand hier ist. Da die Werbung für dieses Konzert anscheinend nicht besonders gut gelaufen ist, entschließen wir uns spontan hier nicht zu spielen, erhalten aber die Genehmigung am Abend auf einem der größten und belebtesten Plätze der Stadt, dem sog. „Plaza del Zorro“, aufzutreten.

Die guten Aussichten auf den Abend vertreiben schnell die schlechte Laune über das gestrichene Konzert und die Tatsache, dass wir unsere teilweise doch sehr schweren Instrumentenkoffer wieder einmal umsonst durch die Straßen getragen haben. Bei einem ausgiebigen Stadtbummel genießen wir die freie Zeit am Nachmittag bis wir dann am Abend ein Konzert geben dürfen, das eindeutig das schönste dieser Reise werden sollte.

Wir sitzen auf dem „Plaza del Zorro“ in einem Pavillon, umgeben von begeisterten Zuhörern, die zu unseren Liedern tanzen („YMCA“ scheint überall auf der Welt bekannt zu sein) und manchmal sogar mitsingen. Sogar die letzten Kranken unserer Gruppe raffen sich auf, um wenigstens zuzuhören, wenn sie selbst schon nicht mitwirken können.

Unsere Freude über die wundervolle Atmosphäre tröstet über die etwas angegriffene Konstitution einiger Bläser hinweg, und nach mehreren Zugaben sehen wir uns schließlich umringt von vielen Zuhörern, die uns zu dem gelungenen Konzert gratulieren oder Fotos machen. Gut gelaunt und seit Krankheitsausbruch erstmals wieder in Hochstimmung lassen wir den Abend entspannt ausklingen.

Dienstag, 24.07.2007

Nach unserem gestrigen Konzert sind wir von einem mexikanischen Dirigenten angesprochen worden, der mit seinem Orchester und einem Chor für den heutigen Abend ein Kirchenkonzert in Queretaro plant. Da ihm unsere Musik anscheinend sehr gefiel, hat er uns kurzerhand eingeladen, am Konzert teilzunehmen – was Ulli stellvertretend für alle natürlich sofort annahm, denn so eine Chance können wir uns nicht entgehen lassen.

ßber den genauen Beginn des Konzerts herrscht heute Morgen jedoch noch Unstimmigkeit. Keiner weiß, wann es genau stattfinden soll. Da in der „Führungsriege“ die Meinung vertreten wird, es sei mittags, machen wir uns völlig unnötigerweise, wie sich später herausstellen sollte, und in Konzertkleidung auf den Weg zu einer großen Kathedrale.

Dort angekommen stellen wir fest, dass wir wohl etwas falsch verstanden haben: Vormittags ist nur Probe und das Konzert selbstverständlich am Abend. So können wir uns entspannt auf die zugegeben etwas harten Kirchenbänke verteilen und einmal anderen Orchestern bei der Arbeit zusehen.

In den freien Nachmittagsstunden vertreiben wir uns die Zeit mit Kofferpacken oder besuchen die für uns ursprünglich einmal vorgesehenen Gastfamilien.

Das geistliche Konzert am Abend hat dann einen ganz anderen Charakter als die vorhergehenden weltlichen Konzerte. Für diesen besonderen Anlass wählen wir sechs Stücke aus unserer Notenmappe aus, die möglichst gut ins Gesamtprogramm passen und gut beim Publikum ankommen. Als wir am Ende mit dem beteiligten mexikanischen Blasorchester ein gemeinsames „Halleluja“ aufführen, wird die Kirche von dem Klang der 40-50 Blechbläser vollständig ausgefüllt – und wir sind froh, dass Kirchenmauern sehr dick sind 😉

Mittwoch, 25.07.2007

An diesem Morgen haben sich endlich alle (z.T. mit Unterstützung der Pharmaindustrie) aufgerappelt und wollen mit nach Teotihuacán, einer berühmten Pyramidenstadt in der Nähe von Mexiko-Stadt. Wir machen uns früh auf den Weg und nehmen Abschied von Querétaro, werden aber noch begleitet von Karina und ihrer Familie sowie Alba, unserer Stadtführerin.

In Teotihuacan erwartet uns bereits ein äußerst motivierter Guide, der uns stolz erzählt, dass er schon Eric Clapton und die Scorpions durch die Pyramidenstadt geführt hat “ na da kann ja nichts mehr schiefgehen! Die Wanderung durch die riesige Denkmalsstadt erweist sich als anstrengend, vor allem weil manche von uns immer an den Tortillaverzehr denken müssen.

Aber spätestens nachdem wir die 260 steilen Stufen erklommen haben und auf der Pyramide der Sonne stehen, sind wir überwältigt. Ein einmaliger Ausblick bietet sich uns und wir nehmen uns Zeit für eine kleine Pause, um Bilder zu machen und uns dann auf die etwas kleinere Pyramide des Mondes zu wagen.

Unser Guide, ein waschechter mexikanischer Ureinwohner, lädt uns nach der rund zwei Stunden langen Besichtigung zu einem Tequila in sein Dorf ein. Nach kurzer Fahrt dürfen wir von Algave- und Zimttequila kosten und haben auch noch Zeit, handgewebte Ponchos, selbstgemachte Ohrringe und allerlei mexikanische Handwerkskunst zu kaufen.

Mittwoch, 25.07.2007

Nachmittags geht es weiter nach Mexiko-Stadt, wo wir uns Zeit nehmen, um die berühmte Kathedrale auf dem Zócalo zu besichtigen. In dieser Kirche, übrigens die größte auf dem amerikanischen Kontinent, lassen wir die Eindrücke der gesamten Reise auf uns wirken.

Um dem Kampf gegen die Übelkeit einen großen Schritt entgegen zu gehen (und natürlich auch um Zeit zu sparen) findet das heutige gemeinsame Abendessen bei McDonalds statt, wo sich viele das erste Mal nach überstandener Magen-Darm-Krankheit an etwas anderes als Zwieback und Kamillentee wagen.

Am Flughafenhotel Ramada angekommen, müssen wir uns von Alba und Karina verabschieden – ein tränenreicher Abschied, der uns sehr schwer fällt, denn die beiden Mexikanerinnen haben uns in den vergangenen Tagen immer beiseite gestanden und geholfen, wo es nur ging. Als wir die altbekannten Zimmer wieder beziehen dürfen, flüchten manche gleich ins Bett um für den Tag der Heimreise ausgeschlafen zu sein, während andere es sich noch im Whirlpool und der Sauna gut gehen lassen.

Donnerstag, 26.07.2007

Nach einer sehr kurzen Nacht fahren wir um fünf Uhr morgens verschlafen und mit dunklen Ringen unter den Augen zum Flughafen. Dass sich das Einchecken mit so vielen Koffern und Instrumenten etwas länger hinzieht, sind wir ja mittlerweile gewohnt, trotzdem verbreitet sich allgemeine Erleichterung, als wir endlich im Flieger nach Atlanta sitzen.

Nach einem unruhigen dreistündigen Flug nehmen wir am Flughafen sofort wieder unsere vom Hinflug bekannten Stammplätze bei McDonalds ein und freuen uns wieder über „richtiges“ Essen. Ausnahmsweise heben wir diesmal pünktlich ab, sehen uns die gleichen Filme an wie auf dem Hinflug und nehmen Kurs auf Frankfurt.

Freitag, 27.07.2007

Als wir morgens in Frankfurt landen, steht uns gleich noch ein weiterer Abschied bevor, denn wir müssen uns von Anja, unserer Spanisch-Dolmetscherin trennen, die nach Kassel weiterfährt. Sie hat uns auf der Reise (und auch schon in den Wochen vorher) super unterstützt und vom Dolmetschen in der Apotheke bis zum Vortanzen von YMCA auf den Konzerten auch stets eine gute Figur abgegeben.

Auf der Zugfahrt nach Bad Hersfeld ist die Stimmung geteilt. Auf der einen Seite sind wir froh, wieder das eigene Bett und die Familie zu haben, auf der anderen Seite wollen wir uns nicht voneinander trennen. Als wir wieder auf dem Bahnsteig stehen, wissen wir jedoch, dass die nächste Reise wohl nicht lange auf sich warten lässt. Und das ist auch gut so.

Sara Gramann und Svenja Mertelmeyer